Lieber Adam, magst du uns ein bisschen mehr über dich und deinen Alltag in Berlin erzählen?
Ich meditiere jeden Morgen. Dann geht es kurz an die frische Luft “Daylight before screen light”. Ich beginne den Tag gern ruhig, bevor es wild wird.
Vielleicht passt deshalb Berlin so gut zu mir. Eine große, internationale Stadt, aber im Vergleich zu New York, London oder Tokio überraschend ruhig und grün. Ich wohne in einem Jugendstilhaus von 1900, direkt an einem Park. Diese Mischung aus Weltstadt und Gelassenheit gibt es so kaum woanders.
Ansonsten verpasse ich keine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie. Allein schon das Mies van der Rohe Gebäude sieht in jedem Licht gut aus.
Du hast in New York und Japan gelebt. Wie prägen diese Erfahrungen heute deinen Blick auf Räume und Einrichtung?
Japan hat mir vor allem das Vertrauen in Einfachheit gegeben: natürliche Materialien, klare Linien, Dinge, die nichts vorgeben, was sie nicht sind. Diese Ruhe suche ich auch zu Hause, etwa im weichen Licht meiner Akari Leuchten von Isamu Noguchi.
New York war das Gegenteil, laut, dicht, voller Energie. Beides steckt heute in meiner Wohnung, am deutlichsten in meiner Gallery Wall: auf den ersten Blick chaotisch, und doch streng strukturiert wie das Straßenraster der Stadt, mit Kunst aus aller Welt. Diese beiden Pole zusammenzubringen, ist für mich das eigentlich Reizvolle an einem Raum.
Worauf achtest du besonders, wenn du dein Zuhause gestaltest?
Ich kaufe vor allem, was ich liebe, und zwinge die Stücke nicht, zueinander zu passen. Ich vertraue darauf, dass mein Geschmack in sich stimmig ist, also fügt sich am Ende alles zusammen.
Bewusst entscheide ich nur zwei Dinge: nur echte Materialien, nichts Imitiertes, also echtes Holz, Stein und Marmor damit es sich auch gut anfühlt. Und die Balance aus harten, glänzenden und weichen, strukturierten Oberflächen, etwa Chrom und Stein neben Textil und Geflecht.
Einzige Ausnahme von meinem freien Mix ist der Essbereich, den ich deutschem und lokalem Design widme: die Floatation von Ingo Maurer, der Richter-Tisch von OUT, ein S 533 von Mies van der Rohe, die S 32 von Marcel Breuer als perfekte Ergänzung.
Woran erkennst du ein wirklich gutes Möbelstück? Und welche Rolle spielen zeitlose Designklassiker in deinem Alltag?
Ein gutes Möbelstück ist eigenständig, am besten habe ich so etwas vorher noch nie gesehen. Es hat einfach den wow Effekt. Man kann nicht direkt weg schauen. Wenn man es dann besitzt, schmiegt es sich natürlich in die Wohnung und wird von Anfang an benutzt. Genauso sind auch die Klassiker: nicht zum Ansehen, sondern zum Leben für ein Leben lang: Sie werden mit der Zeit nur besser.
Für deinen Esstisch hast du dich für den Freischwinger S 32 entschieden. Was hat dich an diesem Entwurf besonders überzeugt?
Der S 32 verbindet Gegensätze: Chrom, hart und glänzend, mit Wiener Geflecht und Holz, das Textur und einen warmen Ton mitbringt. Dazu die ganz einfache Form.
Das Entscheidende aber: Er hat keine vier Beine. Esszimmer haben fast immer zu viele Beine, man schaut nach unten und sieht überall Beine: Sideboard, Tisch, Stühle. Nimmt man dem Raum Beine, entsteht genau die Ruhe, nach der ich gesucht habe. Der Freischwinger löst das am elegantesten.
Gibt es weitere Thonet-Designs, die auf deiner persönlichen Wunschliste stehen?
Der S 64 in der Edition mit Jil Sander, den ich mir als eleganten, fast schon sexy Schreibtischstuhl vorstelle, traditionell und zugleich modern, ein wenig wie der frühe Yves Saint Laurent.
Und der Bugholz-Armlehnstuhl 209 in Schwarz perfekt zu einem runden Arabescato Marmor Tisch.