Thonet, Drehstuhl 521, Marco Dessí, Interview

6 Fragen an Marco Dessí

Mit dem Drehsessel 521 erweitert Marco Dessí das Sitzmöbelprogramm 520 von Thonet um eine vielseitige Lösung für moderne Arbeits-, Konferenz- und Kommunikationsbereiche. Der vollgepolsterte Entwurf verbindet die wohnliche Ausstrahlung und den hohen Komfort des Ursprungsentwurfs Modell 520 mit den funktionalen Anforderungen zeitgemäßer Arbeitswelten.

Mit dem Modell 521 erweiterst du das Programm 520 um einen Drehstuhl. Warum war für dich der nächste logische Schritt ein Drehsessel?

Der 521 ist eine konsequente Weiterentwicklung des Programms 520. Mit seinem Drehgestell reagiert er auf die Anforderungen von Arbeits- und Kommunikationsräumen, in denen Flexibilität und Bewegung eine große Rolle spielen. Ein wichtiges Betätigungsfeld von Thonet ist der halböffentliche, öffentliche und Objektbereich. Dieser Markt wird zunehmend wichtiger und relevanter. So kam der Wunsch nach dieser Typologie sehr stark aus den Erfahrungen und Anfragen des Vertriebs, da hier eine Portfolio-Lücke geschlossen werden sollte. 

Der 520 und der 521 gehören optisch eindeutig zusammen. Welche Qualitäten des ursprünglichen Entwurfs waren dir bei der Weiterentwicklung besonders wichtig?

Entscheidend war für mich, die Grundidee des Entwurfs beizubehalten: Komfort, Leichtigkeit, eine einladende Ausstrahlung und vor allem diese besondere hochwertige Präsenz, die viele Thonet-Entwürfe verbindet. Der 521 übernimmt die charakteristische Formensprache des 520 und übersetzt sie in einen neuen, funktionalen Kontext. 

Spannend war für mich die Erkenntnis, dass der 521 ohne den typischen Bugholzrahmen im Rücken auskommt. Zu sehen, dass allein die Form und Linienführung bereits jene Merkmale transportieren, die man mit der Firma und ihren Klassikern verbindet, war sehr erfreulich.

Thonet, Drehstuhl 521, Marco Dessí, Interview

Die vollgepolsterte Schale wirkt einladend und komfortabel, gleichzeitig bleibt der Entwurf optisch leicht. Wie gelingt es, diese beiden Qualitäten miteinander zu verbinden?

Komfort entsteht nicht zwangsläufig durch Volumen und muss auch nicht optisch schwer wirken – vielmehr ist es eine Frage der Proportionen und der Präzision. Wir haben großen Wert auf die richtige Technologie und eine präzise Ergonomie gelegt. Dadurch erreichen wir einen hohen Sitzkomfort bei vergleichsweise wenig Polsterung.

Die Form ist so gestaltet, dass der Komfort bereits beim Betrachten spürbar wird. Gleichzeitig sorgt die Ausnehmung im Rücken für eine visuelle Leichtigkeit. Dieses Detail knüpft an die Tradition der klassischen Kaffeehausstühle von Thonet an und verleiht dem Entwurf seine offene, leichte Anmutung – ein charakteristisches Element das bereits beim 520 zu finden ist und das wir weitergeführt haben, um nicht zuletzt diesen Link zum Archiv zu bewahren. 

Ein besonderes Detail des 521 ist der hölzerne Sattel unter dem Polstersitz. Welche Rolle spielt dieses Element für die Gestaltung des Sessels?

Die hölzerne Trägerplatte schafft eine konstruktive und gestalterische Verbindung zwischen der weich gepolsterten Schale und dem Gestell. Sie macht die Konstruktion nachvollziehbar und verankert den Entwurf zugleich in der Material- und Handwerkstradition von Thonet. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wärme, Präzision und technischer Klarheit – und auch ein Hauch jener handwerklichen Tradition, die dieses Unternehmen bis heute auszeichnet.

Thonet, Drehstuhl 521, Marco Dessí, Interview
Thonet, Drehstuhl 521, Marco Dessí, Interview

Die Grenzen zwischen Arbeiten, Wohnen und Gastlichkeit werden seit einigen Jahren zunehmend fließender. Wie siehst du diese Entwicklung und welchen Beitrag können Entwürfe wie der 521 dazu leisten?

Der 521 steht für Wandelbarkeit, Komfort und Kommunikation. Er hilft dabei, Hierarchien aufzulösen und Räume offener und einladender zu gestalten. Mit dem 521 zeigen wir, dass Arbeitsräume zunehmend Qualitäten übernehmen, die wir früher eher aus dem Wohnen oder der Gastlichkeit kannten. Gleichzeitig finden viele Objektmöbel ihren Weg in private Umgebungen. Für mich ist das kein neuer Trend, sondern vielmehr ein Zeichen für die Qualität eines Entwurfs. Zeitlose Entwürfe funktionieren in unterschiedlichen Kontexten, weil sie sich über eine Idee definieren und nicht über einen bestimmten Einsatzort. So funktioniert der 521 in den unterschiedlichsten Situationen, weil er nicht für einen einzigen Einsatzbereich entworfen wurde, sondern auf grundlegende Bedürfnisse wie Komfort, Kommunikation und Aufenthaltsqualität antwortet. Er lebt von einer gewissen Selbstverständlichkeit und wirkt vertraut, ohne beliebig zu sein. Seine Formensprache bedient sich nicht der klassischen Definitionen des Objektbereichs. Der 521 strahlt Wohlbefinden aus und nicht Hierarchie und Macht.

Die ORGATEC 2026 stellt unter dem Leitthema „From rooms to relationships: designing spaces in an ever-changing world“ den Menschen und seine Beziehungen im Raum in den Mittelpunkt. Welche Rolle können Möbel dabei spielen, Begegnungen und Austausch zu fördern?

Möbel beeinflussen unser Verhalten stärker, als uns oft bewusst ist. Sie können Begegnungen erleichtern, Gesprächssituationen unterstützen und Räume strukturieren. Gerade heute, wo Arbeits-, Kommunikations- und Aufenthaltsbereiche zunehmend miteinander verschmelzen, spielen Möbel eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen Mensch und Raum. Gute Möbel schaffen dabei nicht nur funktionale Lösungen, sondern auch eine Atmosphäre, in der Austausch und soziale Interaktion selbstverständlich werden. Sie schaffen die Voraussetzungen für Begegnung und unterstützen Kommunikation. Sie können aber auch das aufmerksame Zuhören und Aufnehmen von Informationen erleichtern. Wo Menschen zusammenkommen – ob für kurze oder lange Zeit – geht es darum, diesen Austausch zu ermöglichen, zu erleichtern und zu verbessern. Das ist ein wichtiger Beitrag zu einer gut funktionierenden Arbeitswelt.

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