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Januar 2004
Ein Meisterstück aus dem Jahr 1926: der S 33 und S 34Design: Mart Stam
Der Freischwinger-Klassiker von Mart Stam ist klassisch mit Leder oder mit moderner Netzbespannung im Thonet Programm vertreten.
Heute so aktuell wie 1926 ist der in jenem Jahr von dem holländischen Architekten Mart Stam entworfene Freischwinger S 33 (mit Armlehne: S 34). Seit kurzem wird der Stuhl zusätzlich zur klassischen Ausführung in Lederauch mit einer neuen Netzbespannung produziert. Letztere ermöglicht eine Produktion zu einem interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis. So wird das vielfach kopierte Modell wieder als Original-Klassiker erschwinglich.
Frei schwingen statt auf vier Beinen sitzen: ein neuer Typ Stuhl macht Geschichte. 1926 experimentierte der holländische Architekt und Bauhaus-Lehrer Mart Stam mit Gasleitungsrohren und gebogenem Metall undentwickelte daraus erstmals in der Möbelgeschichte das Prinzip frei kragender Stühle, die nicht mehr auf vier Beinen ruhten. Als er 1927 seinen Bahnbrechenden hinterbeinlosen Stuhl bei der Eröffnung der Weißenhof-SiedlungStuttgart der Öffentlichkeit vorstellte, war damit ein Konstruktionsprinzip geschaffen, das im Zusammenhang der durch Bauhaus und moderne Architekturtheorie geforderten formalen Zurückhaltung zu einem wichtigen Baustein in der Geschichte des modernen Möbeldesigns wurde. Stam kames zu Beginn noch nicht auf den federnden Effekt kalt gebogenen Stahlrohrs an, sondern auf die schnörkellose sachliche Form, die sich perfekt in die modernen Gebäude dieser Zeit integrieren ließ.
Die technologische Neuerung des kalt gebogenen Stahlrohrs regte auchandere zu weiteren Entwicklungen an. In den 20er Jahren bemühten sichviele um das neuartige Prinzip des Freischwingers: u.a. der Amerikaner Harry E. Nolan und auch Mies van der Rohe, der sich 1927 seine Freischwinger-Modelle patentieren ließ, sowie Marcel Breuer, der ohnehin seit 1925 mit Stahlrohr experimentierte und der einmal während seiner Arbeit mit dem neuen Material vorausgesagt hatte, dass man "am Ende auf einer elastischen Luftsäule“ sitzen würde.
Ein langer Streit um Patente und Urheberrechte der wichtigen Neuerung entbrannte. 1932 bekam Mart Stam das künstlerische Urheberrecht für seinen streng kubischen hinterbeinlosen Stuhl zugesprochen (das 1961 noch einmal bestätigt wurde). Bei dieser Entscheidung ging es weniger um das Prinzip des Federns als um die Form. Dennoch wurde das Prinzip des hinterbeinlosen Kragstuhls später unter dem Begriff Freischwinger populär.
Sachlichkeit plus Eleganz: Der S 33 und S 34: Mart Stam setzte bei all seinen sachlichen Stuhlentwürfen jener Zeit auf Geradlinigkeit in der Form, auf ästhetische Sparsamkeit der Konstruktion und auf den Nutzen verbesserten Sitzkomforts: Der bequeme Schwingeffekt machte auch beidem S 33 und S 34 eine Polsterung verzichtbar. In den 30er Jahren bestand die Bespannung aus Leder oder Eisengarn. Ihre zurückhaltende Form macht diese beiden Freischwingermodelle zu exemplarischen Entwürfen aus dem Geist der Moderne. Ebenso exemplarisch stehen sie für die Bemühungenum eine zeitgemäße Industriekultur, die die gesamte Firmengeschichte der Gebrüder Thonet prägt. Den S 33 und S 34 – beide werden von Thonet nach wie vor originalgetreu produziert – gibt es in klassischem Leder, als S 33 N und S 34 N nun aber auch mit einer neuen Netzbespannung (einem Kunststoffnetzgewebe). Die Armlehne des S 34 N ist aus Holz sowie aus
Elastomer verfügbar. Als Nachfolger der Eisengarnversion kommt die
Netzbespannung dem Gedanken des “Sitzens auf einer elastischen Luftsäule” sehr nahe.
Mart Stam
Mart Stam, 1899 in Purmerend in den Niederlanden geboren, war einer der bedeutendsten Architekten der Moderne und ein Pionier des modernen Möbeldesigns. 1927 leistete er einen Aufsehen erregenden architektonischen Beitrag zur Weißenhof-Siedlung in Stuttgart – als Architekt und als Gestalter, der mit Stahlrohr experimentierte. In der Jahren 1928 und 1929 war er als
Architekt in Frankfurt am Main tätig, wo er u.a. am Bau der Hellerhof-Siedlung beteiligt war. Zur gleichen Zeit lehrte er als Gastdozent am Bauhaus und hielt dort Vorlesungen über elementare Baulehre und Städtebau. Von 1930 bis 1934 arbeitete Mart Stam in Russland und anderen Ländern; danach war er bis 1948 als Architekt in Amsterdam tätig. Im Jahr 1939 übernahm er die Leitung der Kunstgewerbeschule Amsterdam. 1950 wurde er Direktor der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. 1953 kehrte er nach Amsterdam zurück. 1977 siedelte er in die Schweiz über, wo er am 23. Februar 1986 in Goldach verstarb.
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